Vorlesung Uni

Antworten auf häufige Fragen zum Darmbachprojekt

Ist das Darmbach-Projekt jetzt eingestellt?

Während einzelne Abschnitte bereits realisiert wurden sind viele Abschnitte des Projektes derzeit nicht finanziert und daher in den nächsten Jahren nicht realisierbar.

Mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 03. September 2009 wird die Offenlegung des Darmbachs zwischen Großem Woog und Bachwasserkanal nicht mehr weiterverfolgt.

  • Vom Gesamtprojekt wurden bereits umgesetzt:

    · 1. Bauabschnitt Renaturierung Darmbach im Bereich Lichtwiese
    · Renaturierung Meiereibach
    · Entschlammung Judenteich
    · Hochwassersicherung Großer Woog
    · Darmbachgerinne im Baulos 5 Schlossgraben vor dem Darmstadtium und der TU- Elektrotechnik
    · Darmbach-Düker unter der Alexanderstraße
    · Darmbachverrohrung im Baulos 6 Teil Karolinenplatz
    · Verrohrung unter dem Carl-Schenck-Ring

  • Im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel werden derzeit weiterverfolgt:

    · 2. Bauabschnitt Renaturierung Darmbach im Bereich Lichtwiese
    · Renaturierung Darmbach in den Bereichen Breslauer Platz und Botanischer Garten / TSG
    · Anschluss Meiereibach an Darmbach
    · Sanierung des Herrngartenteichs

  • Derzeit wird die weitere Planung und Realisierung folgender Abschnitte wegen fehlender Finanzierung nicht weiterverfolgt (Investitionsvolumen 5,2 Mio. Euro):

    · Darmbach-Offenlegung zwischen Rudolf-Müller-Anlage und Landgraf-Georg-Straße (Baulose 1
    bis 4)
    · Darmbach-Offenlegung im Baulos 6 Teil Herrngarten
    · Darmbach-Neuverrohrung und –Offenlegung zwischen Herrngartenteich und Bachwasserkanal im Carl-Schenck-Ring (Baulose 7 bis 9)

Bereits angesichts der veränderten Finanzierungssituation hatte die für das Gesamtprojekt zuständige verwaltungsinterne Projektgruppe ihre Arbeit im Mai 2008 eingestellt. Der Planungsbeirat Darmbach beendete seine Beratungstätigkeit im November 2008.

Wie viel Geld wurde bisher für die nun nicht mehr weiterverfolgte Planung zur Offenlegung des Darmbachs ausgegeben?

Das Projekt zur Offenlegung des Darmbachs ist als Rahmenplanung Grundlage des weiteren städtischen Handelns. Einzelne Abschnitte (Anschluss Meiereibach) werden auch weiterhin im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel zur Umsetzung vorbereitet und sollen in absehbarer Zeit realisiert werden.

Vom Projekt Offenlegung Darmbach wurden bisher der Abschnitt am Darmstadtium sowie Verrohrungen unter der Alexanderstraße und dem Carl-Schenck-Ring realisiert. Die Verrohrung unter dem Karolinenplatz ist derzeit im Bau. Außerdem wurden die Planungen für alle andere Abschnitte mindestens als Entwurfsplanung erstellt und zum Teil bereits baureif abgeschlossen.

Von den Gesamtkosten von 6,8 Mio. Euro für die Offenlegung des Darmbachs zwischen Großem Woog und Bachwasserkanal wurden bisher 1,6 Mio. Euro (24 %) bereits ausgegeben bzw. verpflichtet. Alle Kosten sind aus dem allgemeinen Steuerhaushalt zu bezahlen. Abwassergebühren tragen nichts zur Finanzierung bei.

Warum führt sauberes Bachwasser auf der Kläranlage zu höherem Schmutzaustrag?

Durch die Abkopplung der Bäche vom Kanalnetz wird der Gewässerschutz verbessert:Generell können die Mikroorganismen in der biologischen Kläranlagenstufe Schmutzstoffe besser abbauen, je konzentrierter das Abwasser ist. Eine nährstoffreiche „dickere Brühe“ ist für die Mikroorganismen „leichter verdaulich“. Daher müssen auf der Kläranlage weniger Hilfsstoffe eingesetzt werden und der Kläranlagenbetrieb läuft stabiler. Es verringert sich die Schmutzkonzentration im Ablauf in das Gewässer und damit auch der Schmutzaustrag.

Allerdings sind die Auswirkungen auf den Gewässerschutz bei der sehr guten Darmstädter Zentralkläranlage so gering, dass eine wasserrechtliche Anordnung unverhältnismäßig wäre. In Darmstadt ist lediglich mit folgenden Belastungsverringerungen an den Gewässereinleitungen (Kläranlagenauslauf und Regenwasserentlastungen) zu rechnen:

CSB chemischer Sauerstoffbedarf ca. 2,5 Tonnen pro Jahr
Nges

Gesamtstickstoff

ca. 1,4 Tonnen pro Jahr

Gibt es einen rechtlichen Zwang zur Abkopplung der Bäche vom Kanalnetz?

Die Obere Wasserbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt drängte seit 2004 auf Einhaltung des Wasserrechts. Nach erneuter Prüfung des Sachverhaltes im Rahmen eines wasserrechtlichen Anhörungsverfahrens kam das Regierungspräsidium im März 2008 zu folgendem Ergebnis:

1. Ich gehe weiterhin davon aus, dass die §§ 1a, 7a, 18b WHG in Verbindung mit der Abwasserverordnung und den Regeln der Technik grundsätzlich geeignet sind, vermeidbare Fremdwassereinleitungen zu verbieten. Die Anforderungen können von mir als der zuständigen Wasserbehörde als nachträgliche Anforderungen in dem Einleitebescheid für die Kläranlage der Stadt Darmstadt rechtsverbindlich gemacht werden. (...)

2. Nach dem Stand der Planungen, die Sie u. a. im Internet unter www.darmbach.de veröffentlicht haben, ist die technische Machbarkeit einer Abklemmung des Darmbachs gegeben. (...)

3. Nach dem vorgelegten Gutachten und eigenen Ermittlungen ergeben sich jedoch neue Gesichtspunkte dahingehend, ob eine Anordnung der Darmbach-Abtrennung verhältnismäßig wäre.
Entgegen früherer fachtechnischer Annahmen ist die Frachtminderung für den Darmbach hinter der Kläranlage nach einer Abtrennung des Darmbachs so gering, dass die Projektkosten von größenordnungsmäßig zehn Millionen Euro dazu in keinem angemessenen Verhältnis stehen.
Die Gewässergüte des Darmbachs und des Schwarzbachs würde nicht wesentlich verbessert.
Da außerdem die Kläranlage schon jetzt sehr hohen technischen Standards genügt und für die vorhandene Fremdwassermenge mit ausgelegt ist, ist der vorhandene Fremdwasseranteil inklusive Darmbach und Meiereibach im vorliegenden Einzelfall vertretbar und der Abwasserreinigung nicht abträglich.

Im Ergebnis komme ich zu dem Schluss, dass eine Anordnung der Darmbach-Abtrennung nach den inzwischen vorliegenden Erkenntnissen unverhältnismäßig wäre und deshalb nicht getroffen werden kann.

Damit bleibt die Realisierung des Projektes Darmbach-Abtrennung bzw. Offenlegung der kommunalen Gestaltungsfreiheit der Wissenschaftsstadt Darmstadt im Rahmen ihrer eigenen Prioritäten und Finanzierungsmöglichkeiten überlassen.




Ist die Renaturierung von Darmbach und Meiereibach nicht ein unnötiger Luxus?

Seit Dezember 2000 verlangt die EU-Wasserrahmenrichtlinie die Erreichung eines „guten ökologischen und chemischen Zustands der oberirdischen Gewässer bis 2015“:

Damit wird die Entwicklung und Durchführung von Renaturierungsmaßnahmen am Darmbach oberhalb des Woogs und am Meiereibach zur Pflichtaufgabe.

Müssten nach der Abkopplung des Bachwassers vom Kanal tatsächlich die Abwassergebühren erhöht werden?

Dass gleichzeitig die Abwassergebühren erhöht werden müssten, ist eine zwangsweise Folge des Einsparens von Abwasser. Die Kosten der Abwasserbeseitigung rühren zu einem sehr großen Teil von Abschreibungen der Kläranlagen und des Kanalnetzes sowie von Personalkosten her, die alle nicht von der abzuleitenden und zu behandelnden Abwassermenge abhängig sind. Da die Bachwassermengen etwa 8 Prozent der heutigen Zuflüsse zum Zentralklärwerk und zum Klärwerk Eberstadt ausmachen, wäre der nur etwas zurückgehende Aufwand auf eine deutlich kleinere Wassermenge umzulegen. Nach derzeitigem Stand wäre mit einer Erhöhung der Schmutzwassergebühr um ca. 20 ct pro Kubikmeter zu rechnen.

Die Stadt Darmstadt würde sich hier nicht anders als Bürger verhalten, die z.B. durch wassersparende Armaturen oder Haushaltsgeräte ihren Wasserverbrauch reduzieren, um Gebühren zu sparen. Oder anders ausgedrückt: Würde die Darmstädter Bevölkerung die gleiche Wassermenge einsparen, müsste die Schmutzwassergebühr um genau den gleichen Betrag angehoben werden. Im Unterschied zu privaten Einsparungen würden die von der Stadt einsparten Mittel zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben eingesetzt und flössen so auch wieder an die Bürgerinnen und Bürger zurück.


Wird der Darmbach im Sommer austrocknen?

Unterhalb des Großen Woogs (Rudolf-Müller-Anlage) wird der Darmbach nicht austrocknen. Zwar fällt der Darmbach oberhalb des Großen Woogs in trockenen Sommern über Tage oder einzelne Wochen trocken. In den Bach wird zukünftig allerdings der Meiereibach wieder münden. Dieser vom Oberfeld kommende Bach hat eine garantierte Wasserführung von mindestens drei Liter pro Sekunde.

Durch das bereits angelaufene Programm zur Kanalabdichtung und zur Vermeidung von Dränagewasserzuflüssen wird langfristig der Grundwasserspiegel steigen und auch im Sommer wieder mehr Wasser im Darmbach fließen.

Wäre der Darmbach seinem früheren historischen Verlauf gefolgt?

Der neue Verlauf läge alleine schon aus topografischen Gründen in der Nähe des historischen Verlaufs. Meistens wäre er nur wenige hundert Meter vom historischen Bachbett entfernt. An einigen Stellen flösse er wieder in der historischen Lage: Straßen „Am kleinen Woog“, „Große Bachgasse“, Maybachweg bis „Im Tiefen See“ (unter einer denkmalgeschützten Bahnbrücke über den Darmbach sowie innerhalb der historischen Uferbefestigung).

 

Würde die neue Darmbach-Trasse dem heutigen unterirdischen Fließweg in der Kanalisation folgen?

Nein, die vom Darmbach durchflossenen Kanalrohre liegen außerhalb der neuen Trasse, oft mit mehreren hundert Metern Abstand. Die neue Darmbach-Trasse orientierte sich an den Möglichkeiten an der Oberfläche einen Bachlauf sinnvoll und attraktiv zu integrieren und trotzdem dem Geländegefälle zu folgen.

Wie sollte die teuere Unterhaltung und Säuberung des Darmbachs bezahlt werden?

Der Darmbach würde zusätzliche Unterhaltungskosten verursachen, z.B. regelmäßige Bachbegehungen zum Erkennen von Missständen, Reinigen von Ufer und Bachbett, Entfernen von eingeschwemmten Stoffen (Papier, Zigaretten, Flaschen, Glas aber auch Sand, Laub etc.), Wartung von Rohreinläufen, Spülen von Bachwasserkanälen.
Hierfür erforderliches Personal und Material hätte über die Einsparungen von Wasser- und Abwassergebühren beim Herrngartenteich (30.000 Euro pro Jahr) sowie durch die entfallende Messung der Bachwassermenge (10.000 Euro pro Jahr) finanziert werden können:
Derzeit wird der Herrngartenteich einmal jährlich mit Trinkwasser gefüllt und am Jahresende gebührenpflichtig in das Kanalnetz entleert. Die Wasserverluste aus Verdunstung und Versickerung werden durch Trinkwassereinspeisung ausgeglichen. Zukünftig würde der Herrngartenteich von Bachwasser durchströmt und könnte in den Bachwasserkanal abgelassen werden.
Weiterhin werden derzeit am Darmbach und Meiereibach zwei Messstellen betrieben, um die tatsächlich in das Kanalsystem eingeleitete Wassermenge zu erfassen und damit die Grundlage für die Ermittlung der derzeit zu bezahlenden Schmutzwassergebühr zu erhalten. Zukünftig gäbe es keine Gebührenrelevanz mehr, die Messungen wären entbehrlich.

Fließt in den nächsten Jahren vor dem Wissenschafts- und Kongresszentrum teures Trinkwasser?

Bereits seit Sommer 2008 wird Regenwasser vom Darmstadtium-Dach und vom Platz vor dem Darmstadtium in das Darmbachgerinne zwischen Landgraf-Georg-Straße und Alexanderstraße eingeleitet und es werden 10 Liter pro Sekunde im Kreis gepumpt.

Das Regenwasser vom Darmstadtium reicht weitgehend aus, die Verdunstungsverluste im Gerinne zu ersetzen, so dass nur in Ausnahmefällen zusätzlich Trinkwasser eingesetzt werden muss.

Würde der Herrngartenteich unter dem Darmbach-Zufluss leiden?

Nein, im Gegenteil würde der Darmbach eine Durchströmung des Teiches und damit eine ständige Wasserumwälzung und Wassererneuerung bewirken. Die Wasserqualität der heutigen „Entenbrot-Suppe“ würde massiv verbessert. Bereits im ersten Bauabschnitt würden die Regenwasserzuflüsse vom Wissenschafts- und Kongresszentrum bei starken Regen den Teich zum Überlaufen in die Kanalisation bringen und damit für dringend nötigen Wasseraustausch sorgen.

 

Könnten Abflüsse von Dächern und befestigten Flächen in den Darmbach eingeleitet werden?

Der Darmbachlauf wäre in seiner Leistungsfähigkeit auf nur wenig mehr als den maximalen zukünftigen Woog-Abfluss von 200 Liter pro Sekunde ausgelegt. Größere Dachflächen oder sonstige befestigte Flächen könnten daher nicht in den Bach entwässern. Ein leistungsfähigeres Bachprofil wäre in der Innenstadtlage gestalterisch unbefriedigend, da ein breites Bachprofil meistens von nur vergleichsweise wenig Wasser durchströmt würde.
Regenwassereinleitungen von Dächern und befestigten Flächen würden überhaupt nur wegen den unterschiedlichen Abflussprozessen möglich: Der Maximalabfluss des Woogs tritt nur selten und nur über kurze Zeiten auf. Außerdem dauert es bei einem Starkregen längere Zeit, bis der Abfluss aus dem Ostwald angeschwollen ist. In dieser Zeit sind die Abflusswellen von angeschlossenen Dächern und befestigten Flächen längst abgeflossen. Für Notfälle stünden Überlaufmöglichkeiten in die Kanalisation am Herrngartenteich zur Verfügung.
Angeschlossen würden die Dächer von Wissenschafts- und Kongresszentrum Darmstadtium und Jugendstilbad sowie die Platzflächen vor dem Darmstadtium (Marion-Gräfin-Dönhoff-Platz).

Könnte der Darmbach bei Hochwasser über die Ufer treten und die Stadt überschwemmen?

Nein, das Hochwasser des Darmbachs wird unmittelbar am Großen Woog in die Kanalisation abgeschlagen und kann von dieser schadlos aufgenommen und abgeleitet werden. Der Woogabfluss in den weiteren Bachlauf würde auf maximal 200 Liter pro Sekunde gedrosselt.
Für die Einleitung des Hochwassers müsste die Stadt auch zukünftig Abwassergebühren bezahlen. Hochwässer weisen zwar eine sehr hohe Abflussspitze von bis zu 1.000 Liter pro Sekunde auf. Da sie aber selten und auch nur von vergleichsweise kurzer Dauer sind, würden im langjährigen Mittel nur ca. 2 Prozent des Jahresabflusses in die Kanalisation abgeschlagen. Den Hochwasserabfluss durch die Darmstädter Innenstadt zu leiten hätte sehr breite Bachprofile bzw. sehr große Bachwasserkanäle bedeutet, die viel Platz benötigen, hohe Kosten verursachen und das Stadtbild negativ verändert würden.

Würde der Darmbach auch im Johannesviertel offengelegt?

Nein, die Bebauung im Johannesviertel ist derart verdichtet und der Straßenraum so eng, dass eine offene Führung nicht zu vertreten wäre. Außerdem würde sie in ganzen Straßenzügen den Wegfall kompletter Parkplatzreihen zur Folge haben.

Könnten wassergefährdende Stoffe in den Darmbach gelangen, z.B. bei Verkehrsunfällen?

Es würden keine von Kraftfahrzeugen befahrenen Verkehrsflächen in den Darmbach entwässert. Auch bei den Straßenquerungen des Baches kämen nur geschlossene Profile und keine Gitterabdeckungen oder Ähnliches zum Einsatz.