Darmstadt bekommt verlorenen Darmbach zurück:

Spatenstich in der City
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Darmstadt (dpa/lhe) - Auch wenn er seinen Namen keineswegs einem inneren Organ verdankt: Im 18. Jahrhundert war der Darmbach mit Abwassern gefüllt und stank buchstäblich zum Himmel, so dass die Darmstädter ihn nach und nach abdeckten. Seit 1786 ist das Gewässer komplett aus dem Stadtbild verschwunden. Vergessen haben es die Darmstädter zwar nicht. Aber es dauerte mehr als 200 Jahre, bis sich Kommunalpolitik und Bürgerschaft in der Lokalen Agenda entschlossen,den Darmbach wieder zum «Bach in der Stadt» zu machen. Nach mehrjähriger Planung ist es soweit. Mit dem Spatenstich startete Stadtrat Dieter Wenzel (SPD) am Mittwoch die Offenlegung des
verlorenen Baches. «Unser Ziel ist die Aufwertung der Grünanlagen und Straßenräume.»

«Der Darmbach gibt den Darmstädtern ein Stück Identität zurück», sagt Ullrich Ranly, der das Projekt als Leiter des Straßenverkehrs- und Tiefbauamts bestens kennt. Der Bach wird auf 3,6 Kilometern vom Südosten der Stadt durch den Großen Woog und quer durch die City bis
zum Bachwasserkanal im Nordwesten geführt. Von dort fließt er weiterRichtung Rhein. Die Arbeiten sollen nach derzeitigem Stand 8,44 Millionen Euro kosten und nach 2011 abgeschlossen werden. Beim Zeitrahmen gibt sich Ranly zurückhaltend, weil «das Geld noch nicht komplett im Haushalt eingeplant ist».

Allerdings gilt ein vorzeitiger Baustopp bei dem Vorzeigeprojekt als unwahrscheinlich. Zumal die Stadt das geflossene Geld flott an anderer Stelle sparen wird, wie Ranly betont. Bisher würden der Darm- und der Meiereibach mit Abwasser vermischt. «Durch die Einleitung in die Kanalisation entstehen jährlich Abwasserkosten von 2,74 Millionen Euro. Ohne Finanzierungskosten amortisieren sich die Offenlegungen somit rechnerisch nach gut drei Jahren.» Wegen der hohen Fixkosten der Kläranlage müssten die Abwassergebühren allerdings wahrscheinlich erhöht werden. Im Gespräch sind zehn Euro pro Jahr, was einige Bürger bereits auf die Palme bringt.

Bald soll der Darmbach etwa auf seinem geschlungenen Weg durch den Herrngarten zu Wasserspielen einladen. Dort ist er 2,30 Meter breit, die Ufer sind mit Gras bewachsen. Erste kurze Spaziergänge am Bachlauf sind aber schon in diesem November möglich. Dann soll der
erste, rund 100 Meter lange Bauabschnitt vor dem neuen Wissenschafts- und Kongresszentrum darmstadtium und den Hörsälen der Technischen Universität fertig sein. «Der Bach wird entlang des Schlossgrabens geradlinig verlaufen und zusammen mit dem Kongresszentrum eine neue
Promenade schaffen», berichtet die Abteilungsleiterin Planung und Neubau beim Grünflächen- und Umweltamt, Ingrid Pilz. Der Darmbach wird an dieser Stelle in einer 80 Zentimeter breiten Kastenrinne mit Natursteinfassungen geführt, die gepflasterte Promenade vor dem neuen
Kongresszentrum weitet sich zu einem Vorplatz aus.

Das nötige Wasser liefert zunächst der Regen, der unter anderem auf dem Dach des darmstadtiums gesammelt und in den Bachlauf eingespeist wird. Vorerst fließt es durch den Herrngarten bis in einen Teich und wird von dort in einem Kreislauf zurück gepumpt.
Mittelfristig kann dieses System bei anhaltender Trockenheit für ausreichend Wasser im Bach sorgen, das Gros der Wassermengen stammt aber aus dem Darmbach und dem Meiereibach. Ranly verspricht: «Trinkwasser muss dann überhaupt nicht eingesetzt werden.»

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH,
Mittelweg 38, 20148 Hamburg, www.dpa.de



u. a. erschienen in:
Bergsträßer Anzeiger
Mannheimer Morgen
Schwetzinger Anzeiger
Fränkische Nachrichten
Main-Spitze
Wiesbadener Kurier
Frankfurter Neue Presse
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