Befreiung des Darmbachs beginnt
Bürgerinitiative kritisiert Eingriff in Abgabenrecht und erwägt Klage
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Sinnvolles Projekt oder millionenteure Stadtverschönerung zu Lasten des
Gebührenzahlers? Die Meinungen über die Offenlegung des seit 1786
unterirdisch in einer Röhre durch die Stadt fließenden Darmbaches gehen
auseinander.
Am heutigen Mittwoch wird der erste Spatenstich zu dem seit Jahren
vorbereiteten Projekt vor der Baustelle des Kongresszentrums Darmstadtium
gesetzt. Die Bürgerinitiative IG Abwasser indes sieht "einen weiteren Akt im
bürgerlichen Lachtheater ,Dummbachs Wasserspiele", so Vorstand Hans-Ulrich
Naundorff.
Die Rechnung der Stadt geht so: Die Kosten für die Offenlegung des Darm- und
des Meiereibachs auf dem Oberfeld belaufen sich auf geschätzte 8,4 Millionen
Euro - viel Geld in Zeiten knapper Kassen. Aber: Durch die bisherige
Einleitung der Bäche in die Kanalisation entstünden - obwohl beide relativ
sauberes Wasser führen - jährlich Abwasserkosten von rund 2,7 Millionen Euro.
Diese entfielen nach der Offenlegung, so die Planer. Somit schreibe das
Projekt schon nach rund drei Jahren eine schwarze Null. Allerdings: Die
Bürger müssen für die Finanzierung jährlich rund zehn Euro mehr an
Schmutzwassergebühren zahlen.
Genau hier liegt nach Ansicht der Bürgerinitiative IG Abwasser der wunde
Punk. "Wir sind nicht gegen die Offenlegung", sagt Naundorff. "Es ist sicher
sinnvoll, Bachwasser nicht in die Kanalisation zu leiten." Allerdings sieht
er einen Eingriff in das kommunale Abgabenrecht: Einerseits spare die Stadt
Steuern, belaste aber andererseits die Bürger mit mehr Gebühren. Und das
nicht nur, bis die Projektkosten wieder drin seien, "sondern auf ewig". Die
Bürgerinitiative erwägt deshalb eine Klage.
Weiterer Kritikpunkt: Einer Magistratsvorlage zufolge sind das
Zentralklärwerk nur zu 75 Prozent und das Klärwerk Süd in Eberstadt nur zu
60 Prozent ausgelastet. Mit Abkopplung der Bäche würde die Auslastung weiter
sinken. Die Bürger zahlten aber - und das schon jetzt - zu viel Gebühren,
nur um den Betrieb beider Klärwerke aufrechtzuerhalten. Die IG Abwasser
schlägt deshalb vor, künftig nur das Zentralklärwerk arbeiten zu lassen.
Naundorff ist sich sicher, dass alleine dadurch der Steuersäckel des Bürgers
nicht zusätzlich strapaziert werden müsse, um die Offenlegung zu finanzieren. Betreiber der beiden Klärwerke ist die Heag Südhessische Energie (HSE).
Konzernsprecher Michael Leukam sagt zu Naundorffs Vorschlägen, dass die
Stadt bereits eine Studie zur Optimierung des Klärwerkbetriebs in Auftrag
gegeben habe. "Erst wenn eine valide Grundlage vorliegt, kann über solche
Ideen weitergeredet werden."
Stadtpressesprecherin Sigrid Dreiseitel sieht keinen Eingriff in das
kommunale Abgaberecht. Vor Abkoppelung der Bäche vom Klärwerk, die
frühestens für 2011 geplant ist, gebe es auf keinen Fall eine Erhöhung der
Schmutzwassergebühren. "Wenn die IG Abwasser klagt, dann prüfen wir das sehr
genau. Wir sehen der Klage jedoch mit Ruhe entgegen."
Weitere Informationen gibt es auf den Internetseiten www.darmbach.de und
http://freenet-homepage.de/IGAbwasser/haupt.htm.

Frankfurter Rundschau v. 04.07.2007, S.20
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