Skater wollen Platz nicht räumen
Wegen der Offenlegung des Darmbachs soll BMX-Anlage am Zentralbad verschwinden / Verein wehrt sich dagegen

Die Skate- und BMX-Rad-Anlage am Zentralbad steht dem zehn Millionen Euro teuren Projekt Darmbach-Offenlegung im Weg. Die Nutzer wollen nicht in den Bürgerpark ausweichen. Die SPD Gervinusviertel sieht im Mercksplatz eine Alternative, die CDU hält nichts davon.


Darmstadt. In einer städtischen Hochglanzbroschüre, die über die Darmbach- Offenlegung informiert, klingt alles ganz einfach: "Am Jugendstilbad wechselt die Führung in die Grünanlage, der Darmbach fließt in sanften Schwüngen nach Süden und speist einen neuen ,Kleinen Woog˜." An dem Passus"Grünanlage" stört sich jedoch der 1. Darmstädter Skate- und BMX-Verein. Er betreut auf dem städtischen Gelände bislang eine Freizeitanlage für Jugendliche.
"Die komplette Planung ist an uns vorbeigegangen", kritisiert der Vereinsvorsitzende Marcus Stöckel. Erst in einer Bürgerinformation Ende August habe der Verein erfahren, dass der Darmbach 2008 zwischen Rudolf- Mueller-Anlage und Ludwig-Metzger-Platz ans Tageslicht geholt werden soll
und ihre Anlage dann einem Grünzug weichen soll. Als die Stadtplaner als Alternativstandort den Bürgerpark Nord nannten, meldete sich ein Vereinsmitglied protestierend zu Wort. "Wir wollen uns nicht in den Bürgerpark abschieben lassen", betont Stöckel.

Urbane Jugendkultur
"Skaten ist eine urbane Jugendkultur, sie spielt sich in der Stadt ab und nicht draußen", sagt der Vereinsvorsitzende. Die meisten Skater seien unter 18 Jahren. Ohne Führerschein seien sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Nur etwa zehn Prozent der Nutzer kämen mit dem Auto.
"Wir leisten ehrenamtliche Jugendarbeit und sind eine Bereicherung für die City", betont Stöckel. Deshalb sei es für ihn unverständlich, dass die Stadt so handele. Der Verein pflegt die Anlage, die für jeden Bürger zugänglich ist; der städtische Zuschuss beträgt 4000 Euro im Jahr. "Ich bin kein Gegner der Darmbach-Offenlegung", betont der Vorsitzende. Der Verein würde notfalls Teile des rund 1000 Quadratmeter großen Areals abgeben. Vorstellbar sei auch - nach dem Vorbild anderer Städte - das Gewässer in den Parcours zu integrieren oder entlang der Stadtmauer an der Westseite des Platzes, wo ein Kiesweg verläuft, zu führen.
"Ruhestörungsbeschwerden oder -klagen haben wir keine", widerspricht Stöckel einer Aussage bei der Bürgerinformation. Eine Frau, die sich häufiger beschwert habe, sei inzwischen weggezogen. Er glaubt, dass andere Gründe hinter den Umzugsplänen stehen. Bei einem Besichtigungstermin des CDU- Ortsvereins Mitte wurde jüngst der Verdacht laut: "Ist das Zentralbad erst einmal zu einem Wellness-Bad umgebaut, sollen sich die Besucher nicht an dem Anblick von Skatern stören."
Frank Horneff von der städtischen Pressestelle sagt auf Anfrage: "Die Stadt bietet als Alternativstandort den Bürgerpark Nord an, ist aber offen für andere Vorschläge." Er betont, dass die Planungen "ergebnisoffen" seien. Es sei durchaus denkbar, dass die Anlage an ihrem jetzigen Standort verbleibe, und der Darmbach, so wie es Stöckel vorschlägt, integriert werde oder vorbei
fließe. Allerdings habe es in jüngster Zeit vermehrt Ruhestörungsbeschwerden von Anwohnern in der Mühlstraße gegeben.
Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Gervinusviertel, Horst Knechtel, schlägt vor, die Anlage an die Nordwestseite des Mercksplatzes zu verlegen. "Das beschränkt aber dessen zukünftige Nutzung", sagt Peter Mayer, Vorstand des CDU-Ortsvereins Stadtmitte. Die CDU will in der nächsten
Stadtverordnetenversammlung am 12. Oktober einen Prüfantrag stellen.
Frank Schuster

Frankfurter Rundschau v. 06.10.2006, S.29