Kommentar
Arroganz
In Zukunft könnte es um die Reste der mittelalterlichen Stadtmauer herum so
aussehen: Ein Bächlein plätschert vorbei an dem neuen Wellness-Zentralbad
und einem prunkvollen Kongresszentrum. In diese Wohlfühl- und
Kongressatmosphäre passt das Bild von Skateboard- und BMX-Rad fahrenden
Jugendlichen nicht rein - denken einige Stadtplaner zu Unrecht.
Darmstadt sollte aufpassen, dass es unter dem Label Wissenschaftsstadt nicht
zu viel Arroganz und Ignoranz entwickelt. Auf der einen Seite werden Gebäude
hochgezogen, in die nur ein privilegierter Teil der Bevölkerung Eintritt
erhält, auf der anderen Seite werden junge Menschen, die hier in der Stadt
leben, der City verwiesen.
Der Skate- und BMX-Verein leistet immerhin ehrenamtliche Jugendarbeit.
Skater gehören zum Stadtbild einer modernen Großstadt; ihr Sport entspringt
einer urbanen Kultur, die man nicht einfach so in einen Park am Stadtrand
verlegen kann - noch dazu sind viele von ihnen unter 18, haben keinen
Führerschein und sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.
Als der Umzug des Jugendzentrums Oetinger Villa zur Debatte stand, hat die
Stadt umsichtig gehandelt. Sie tut es - noch - angesichts der Punks in der
Wilhelminenstraße. Und sie sollte dies auch bei den Skatern tun. Der
Darmbach kann ja auch ans Tageslicht - und an der Skate-Anlage vorbeifließen.
Nicht nur Professoren, Einkäufer und Touristen kommen nach Darmstadt. Der
ein oder andere junge Mensch mit Skateboard unter dem Arm ist Student - und
hat sich seinen Studienort auch aufgrund der guten Skate-Anlage gewählt.
Frank Schuster

Frankfurter Rundschau v. 06.10.2006, S.33
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