600 Besucher stärken die Lokale Agenda 21
Beim "Überzeugungsmarkt" in der Centralstation spielen Energie und Klimawandel eine Hauptrolle

Andrang in der Darmstädter Centralstation: Die Lokale Agenda 21 informierte Bürger über Themen wie Klimawandel, Fluglärm und nachhaltige Energiegewinnung. Etwa 600 Bürger kamen zu den Vorträgen und erkundigten sich an den Ständen.


Darmstadt. In der Centralstation hatten am Samstag acht Agenda-Gruppen ihre Stände aufgebaut, die Themen reichten von Feinstaub über die geplante Renaturierung des Darmbachs bis zu den gesundheitlichen Folgen des Fluglärms. Auf großes Publikumsinteresse stieß auch der Komplex nachhaltige Energiegewinnung. Dabei ging es um die Funktionsweise energiesparender Passivhäuser und die Möglichkeiten, Sonnenenergie zu nutzen. Jens Bolze, Leiter des Agenda-Büros, sieht noch viel Potenzial für Fotovoltaik-Anlagen in der Stadt. "Das Thema ist für viele Bürger interessant, nicht zuletzt weil sich auch ein regionaler Anbieter auf die Technologie konzentriert." Als Folge des weltweiten Klimawandels wird die Sonne auch in Südhessen mehr scheinen. In einem der zahlreiche Fachvorträge warf Helmut Wolf einen Blick in die Zukunft. "Zu den absehbaren Folgen in unserer Gegend gehört ein durchschnittlicher Temperaturanstieg im Sommer um zwei Grad und im Winter um bis zu vier Grad", prognostizierte Wolf, der beim Landesamt für Umwelt und Geologie tätig ist. Neben der Erwärmung, so das Agenda-Mitglied, sei mit bis zu 25 Prozent geringeren Niederschlägen im Sommer zu rechnen. Im Winter hingegen könnten die Regenfälle um bis zu 50 Prozent zunehmen. Diese Veränderungen wirkten sich beispielsweise auf die Tierwelt aus. So lebe der
Tiger-Moskito, er stammt aus Neu-Guinea, mittlerweile auch schon in der Normandie und in der Po-Ebene. "Das Insekt überträgt das Dengue Fieber, das tödlich enden kann." Wolf machte vor allem den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid im Autoverkehr und die Verbrennung fossiler Brennstoffe in Privathaushalten für den Klimawandel verantwortlich. Daher müssten sowohl die Industrie als auch die Bürger gegensteuern. "Genau das ist unser Ziel", sagte Jens Bolze vom Agenda-Büro.
Allerdings sei Aufklärungsarbeit vor allem eine Politik kleiner Schritte."Dass 600 Besucher kamen, ist daher ein Erfolg, der uns bestärkt." Schließlich sei das Forum, das einmal im Jahr stattfindet, so etwas wie ein"Überzeugungsmarkt".
swo

Frankfurter Rundschau v. 20.11.2006, S.40