Keine Autos auf dem Karolinenplatz
Stadt stellt Pläne für die Umgebung des Kongress-Hotels vor / Darmbach fließt durch neue "Theaterwiese"
Mit dem Bau des Kongress-Hotels verändert sich auch der Karolinenplatz: Stadt und Technische Universität gestalten die Fläche zwischen Staatsarchiv und TUD-Hochhaus neu. Die CDU kritisiert, dass Hotelgäste nicht direkt am Eingang vorfahren können.
Darmstadt. "Stadt und Universität gewinnen einen attraktiven Platz hinzu,
der Traditionelles mit moderner Architektur verbindet", sagte Baudezernent
Dieter Wenzel (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung der Pläne für den neuen
Karolinenplatz. Das Konzept ist mit dem Investor des Kongress-Hotels
abgestimmt, wie Ingrid Pilz vom Grünflächen- und Umweltamt mitteilte. "Die
TUD hat am Karolinenplatz ihre Chance ergriffen, im Rahmen der Kompetenzen
als autonome Universität aktiv ihr Umfeld mit zu gestalten", betonte Kanzler
Hanns Seidler.
Die unansehnliche Betonkonstruktion vor dem TUD-Verwaltungsgebäude, die der
Volksmund Mussolini-Balustrade getauft hatte, ist bereits zum Teil
abgerissen. Die Betonüberdachung, die noch steht, wird ebenfalls beseitigt.
Es entsteht dadurch ein Vorplatz mit einer so genannten Bedarfszufahrt zum
Kongress-Hotel, die nur in Ausnahmefällen benutzt wird - etwa wenn ein
hochrangiger Gast wie der Bundespräsident anreist. "Die Andienung des Hotels
ist unterirdisch über die Tiefgarage", sagte Pilz. Das gilt nach ihren
Worten auch für Taxen, die zum Beispiel Kongress-Gäste in der Tiefgarage
absetzen. Busse sollen auf dem Seitenstreifen am City-Ring halten.
CDU: Gäste werden nass
Dieses Verkehrskonzept stößt bei der CDU auf Kritik. "Ein Hotel lebt von
seiner guten, unkomplizierten und schnellen Erreichbarkeit. Es muss bei
schlechtem Wetter möglich sein, sein Hotel trockenen Fußes zu erreichen",
sagte CDU-Fraktionsgeschäftsführer Ctirad Kotoucek. Hotelgäste, die mit dem
Bus kommen, müssten nach derzeitiger Planung bei Wind und Wetter mitsamt
Gepäck ein ganzes Stück bis zum Hotel laufen. Es wundere ihn deshalb, dass
im Umfeld des Kongress-Hotels keine Stellflächen für Reisebusse vorgesehen
sind.
Baudezernent Wenzel wies diese Kritik zurück. "Wir richten uns nach den
Anforderungen des Hotelbetreibers, der gar keine direkte Vorfahrt zum Hotel
will." Zwischen Staatsarchiv und Kongress-Hotel soll künftig der Darmbach
fließen - auf dem Karolinenplatz zunächst in einer Betonrinne, auf der so
genannten Theaterwiese, die auf Höhe des Staatsarchivs beginnt, mäandert das
Bächlein als Wiesenbach bis zum Herrngarten-Teich. Die Offenlegung des
Darmbaches im städtischen Park ist allerdings nicht Teil der aktuellen
Planung für das Umfeld des Hotels. "Das geschieht in einem zweiten
Bauabschnitt", sagte Wenzel.
Rund um das Hotel werden Stadt und TUD Grundbesitz tauschen. Flächen am
nördlichen Vorplatz des Hotels werden entsiegelt. Der Herrngarten bekommt so
zusätzliche Grünflächen, wie Umweltdezernent Klaus Feuchtinger (Grüne)
betonte.
Nach Ansicht der CDU gibt es bei der Gestaltung des Hotel-Umfeldes noch
zahlreiche offene Fragen. "Je näher der Eröffnungstermin rückt, desto
wichtiger wird es, wesentliche Voraussetzungen für das bestmögliche
Funktionieren des Wissenschafts- und Kongresszentrums und des Kongress-
Hotels zu schaffen", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Rafael Reißer. Die
CDU-Fraktion wolle deshalb umfassend Auskunft zum Planungsstand.
Die Christdemokraten haben eine Große Anfrage an den Magistrat gestellt,über die im Stadtparlament diskutiert wird. Die Union fragt unter anderem
danach, wie das Kongress-Hotel an Busse und Bahnen angebunden oder wie der
Lastwagen-Lieferverkehr abgewickelt wird. Die CDU will zudem wissen, wie die
Zufahrt zum Hotel während Großveranstaltungen wie beispielsweise dem
Heinerfest oder dem Flohmarkt organisiert ist.
Gert Blumenstock

Frankfurter Rundschau v. 15.11.2006, S.29
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