Bürger geben Darmstadt gute Noten
Stadt stellt Ergebnis einer Umfrage vor / Wenig Zustimmung für Darmstadtium und Freilegung des Darmbaches

Das Ergebnis einer repräsentativen Bürgerumfrage wird die Stadtpolitik beeinflussen. "Die Umfrage ist eine gute Handlungsgrundlage für weitere Schritte in verschiedenen Politikfeldern", sagte OB Walter Hoffmann (SPD). Die Stadt hatte im Mai über 8000 Darmstädter befragt.


Darmstadt. Das wichtigste Ergebnis der repräsentativen Umfrage: Die Darmstädter sind im Großen und Ganzen mit der Lebensqualität in der Stadt zufrieden. Gesundheitsversorgung, Freizeit- und Kulturangebote, die Zahl der Cafes oder Gaststätten sowie Grünanlagen und Parks erhielten von mindestens 80 Prozent der Befragten die Note sehr gut. "Die Oma sieht das genauso positiv wie ein junger Mann. Das ist ein sehr überraschendes Ergebnis", sagte Darmstadts Chef-Statistiker Günther Bachmann am Montag bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse.
Die Note gut erhielten der öffentliche Personennahverkehr, die Schulen sowie die Schwimmbäder und Sportanlagen. Sehr zufrieden oder zufrieden sind die Bürger mit der Stadt als Wohnort (91,5 Prozent). "Das ist ein Wert, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss", sagte der Leiter des städtischen Amtes für Wirtschaftsförderung, Michael Kolmer. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung plant in den nächsten zwei Jahren keinen Umzug, weder innerhalb Darmstadts noch in eine andere Stadt.

Junge Familien ziehen weg

Die Befragung gibt Aufschluss darüber, warum Bürger aus Darmstadt wegziehen. Ein wichtiger Grund: Wenn Nachwuchs kommt, suchen die Eltern nach größeren, bezahlbaren Wohnungen, werden in Darmstadt aber nicht fündig. "Wir brauchen verstärkt Angebote für junge Familien", sagte Kolmer. Die Umfrage bestätige, dass dieses Ziel der städtischen Wohnungspolitik richtig sei.
92,2 Prozent der Bürger finden, dass Darmstadt seinen Titel als Wissenschaftsstadt zu Recht trägt. "Für uns ist das ein überraschendüberwältigendes Ergebnis", sagte Bachmann. 70 Prozent der Befragten kaufen ihre Lebensmittel für den täglichen Bedarf am liebsten in ihrem Stadtteil
ein. "Das widerspricht dem Trend, dass die Konzerne Lebensmittelmärkte auf der grünen Wiese bauen wollen", sagte Kolmer.
Aus Sicht der Befragten sind "Arbeitslosigkeit", "Kinderbetreuung" und"Vereinbarkeit von Familie und Beruf" die wichtigsten Themen für die künftige Stadtpolitik. Der Fragebogen hatte insgesamt 27 Themen vorgegeben, die die Bürger bewerten sollten. Am schlechtesten schnitten ab: "Bau des
Wissenschafts- und Kongress-Zentrums", "Freilegung des Darmbaches" und "Neu- bzw. Umbau des Böllenfalltor-Stadions". Die Bürger beurteilten diese drei Projekte skeptisch, weil hohe Investitionen notwendig seien, schreiben die Statistiker. OB Hoffmann räumte ein, dass große Teile der Bürgerschaft das Darmstadtium skeptisch sehen. Es bleibe aber das Flaggschiff der Stadtentwicklungspolitik. "Man kann es nicht mehr stoppen. Wir müssen mehr dafür werben und es für die Bürgerschaft öffnen", betonte der OB. Hoffmann wertete die Umfrage als wichtiges Instrument für die Kommunalpolitik.
Die Statistik-Abteilung will die vorliegenden Daten nun weiter auswerten und
andere Themen untersuchen wie etwa die soziale Lage oder die Lebensqualität
in den Stadtteilen. Gert Blumenstock

Frankfurter Rundschau v. 12.12.2006, S.29