Echo-Eck

Am Biertisch

In Deutschland wird Politik offenbar am Biertisch gemacht. Beweise? Bitteschön: Hessens CDU will die Studenten von den Unis vertreiben und erfindet dazu Studiengebühren. Macht aber nix, sagt die CDU. Dann muss man am Tag als Student nur ein Bier weniger trinken, dann hat man die Gebühr wieder raus. Prost! Auch die Grünen in Darmstadt rechnen so: Doris Fröhlich sagt, Darmbach ausbuddeln kostet nur 21 Cent pro Kopf und Monat. Macht aber nix, man müsse auch in weiche Wirtschaftsfaktoren investieren. Das Thema weich und Kanalisation passt ja großartig zusammen. Auch Ulla Schmidt, die SPD-Ministerin fürs Gesunde, wird was vorschlagen, wenn die Krankenkassen die Beiträge erhöhen. Macht nämlich nix: Einfach mal drei Monate nicht zum Arzt gehen oder die Pille weglassen oder auf die Prostata-Vorsorge verzichten. Schon hat man das bisschen Geld wieder raus. Gleiches gilt bei den Energiepreisen. Steigende Gas- und Ölpreise mit überzogener Steuerlast? Macht doch nix. Einfach ab 1. Oktober bis Ende April jeden Montag die Heizung abdrehen, schon ist die Erhöhung wieder reingespielt.Ein bisschen mehr muss sich Angela, die Bundeskanzlerin, einfallen lassen. Drei Prozent mehr Mehrwertsteuer. Macht nix: Da wechseln sich telefonfreier Tag mit dem Tag ohne Abendbrot ab. Das eine tut wenigstens der Linie gut. Und wenn wir dann hungrig, durstig, frierend und krank in unseren Wohnungen sitzen, dann lädt jeder mal einen Politiker seiner Wahl ein und zeigt ihm, wie das wirkliche Leben in Deutschland funktioniert.
Jörg Riebartsch11.8.2006


Quelle: 11.08.2006 Darmstädter Echo