Der Darmbach soll an die
frische Luft
Uwiga kritisiert Kosten und Abkopplung des
letzten Teilstückes / Stadt spart nur bei Komplettlösung
Um den in die Kanalisation abgeleiteten Darmbach
ist eine lebhafte Diskussion entstanden. Weil die vom Regierungspräsidium
geforderte Freilegung zu viel Geld koste, hat sich die Uwiga-Fraktion
gegen das in diesem Herbst anlaufende Projekt ausgesprochen.
Darmstadt
- Oberhalb der Fischerhütte kommt
der Darmbach aus der Erde und beendet nach Vivarium, Woog und
Rudolf-Müller-Anlage
an der Darmstraße sein kurzes Leben im Kanal. Nach heutiger
Rechtslage begeht die Stadt Darmstadt damit wasserrechtlichen
Frevel. Sie kann das Frischwasser des Darmbaches - bis zum Rohr
hat es tatsächlich heute eine gute Qualität - nicht
mehr einfach zur Kläranlage leiten. Auch finanziell wächst
der Druck, den Bachlauf freizulegen. Aus ihrem defizitären
Haushalt muss die Stadt durchschnittlich 2,2 Millionen Euro aufwenden,
um für
das Darmbach-Wasser Kanalgebühren zu zahlen.
Am 10. November 2004 forderte der zuständige Regierungspräsident
gegenüber der Stadt, den Darmbach vom Kanal "abzuklemmen". Das sei technisch
möglich und mittelfristig auch unter Kostengesichtspunkten vertretbar.
Ein Sprecher: "Ein zukünftiger Wegfall der Fremdwassereinleitung würde
also nicht nur dem Gesetz entsprechen, sondern auch zur Verbesserung der Abwasserreinigung
führen."
In fünf Jahren amortisiert
Die Rechnung ist einfach: Mit dem Wegfall der Einleitungsgebühren in Höhe
von 2,2 Millionen Euro, hätte die Stadt die Kosten für die Offenlegung
in fünf Jahren wieder hereingeholt. Das sieht die Uwiga anders. Sie befürchtet,
dass der Verlust beim Abwassergebührenhaushalt über eine allgemeine
Erhöhung der Abwassergebühren ausgeglichen wird. Die Uwiga nennt
die Einsparungsargumentation deswegen "unlauter".
Dessen ungeachtet stehen im Nachtragshaushalt 2006 bereits 200 000 Euro,
mit denen die Freilegung des Darmbaches zunächst auf dem Teilstück Lichtwiese
- Woog noch in diesem Jahr begonnen wird. Weitere 374 000 Euro sind für
2007 vorgesehen.
Für ein zweites Teilstück, vom neuen Kongresszentrum über den
Herrngartenteich und dann in den Sandbach, liegt die Magistratsvorlage noch
auf Eis, "weil es noch Gestaltungsaspekte vor dem Kongresszentrum zu klären
gibt", sagt der Assistent von Baustadtrat Dieter Wenzel (SPD), Jörg Rupp.
Problem: Das Wasser für diesen Stummel käme dann nicht vom Darmbach,
denn für die Offenlegung des verbindenden Teilstück vom Woog bis
zum Schloss "gibt es derzeit nur eine Absichtserklärung" (Rupp). Statt
dessen soll Regenwasser vom Dach des Kongresszentrums mittels Pumpen für
einen Kreislauf genutzt werden.
"Mit den Vorgaben des Regierungspräsidiums zum Herausnehmen von Bachwasser
aus der Kanalisation hat das rein gar nichts mehr zu tun", argumentiert die Uwiga
dagegen. Sie hat deswegen mit einer Anfrage vom Magistrat Aufklärung verlangt,
auch über die bisher schon entstandenen Kosten.
Aus der Stückelung resultiert ein Finanzierungsproblem, das auch der FDP-Fraktionsvorsitzende
Leif Blum kritisch sieht: Erst wenn der Bach insgesamt ans Tageslicht geholt
und nicht mehr eingeleitet wird, kann die Stadt die Wassergebühren einsparen.
Blum: "Es besteht ein ganz strenger Finanzierungsvorbehalt." Trotzdem steht
die FDP der Maßnahme positiv gegenüber. Im noch druckfrischen
Koalitionsvertrag der Ampelkoalition ist die Offenlegung des Darmbaches
deswegen auch als verbindliches Ziel festgehalten. Frank W. Methlow

Frankfurter Rundschau 03.08.2006
| Ausgabe: R56 | Seite: 29
|