Eine IBA mitDarmstadt
Architektur - Jochem Jourdan plant eine große
Bauausstellung im Rhein-Main-Gebiet
"Wir sind dabei, eine Entwicklung zu verschlafen." Davor
warnte der Architekturprofessor Jochem Jourdan am Freitagabend
beim Jahresempfang der Darmstadt-Starkenburg-Gruppe des Bundes
deutscher Architekten (BDA). "Alle europäischen Metropolregionen
stellen sich gerade neu dar", sagte Jourdan. Er plant für
das Jahr 2015 eine Internationale Bauaustellung (IBA) in der Rhein-Main-Region.
Im Auftrag des Landes Hessen, der Kulturinitiative Rhein-Main und
der Wirtschaftsinitiative Rhein-Main entwickelte der national und
international aktive Städteplaner seine Konzepte für
die gescheiterte Frankfurter Olympiabewerbung weiter zu einer IBA-Rhein-Main.
Bauausstellungen umfassen herausragende Bauten, Konzepte von Dorfentwicklung,
Wohnraumverdichtung bis hin zur Stadtplanung. Dabei thematisiert
eine IBA auch Lebensstile Jourdan erinnerte an die Darmstädter
Jugendstilausstellung von 1901, die Teil einer weltweiten kunstgeschichtlichen
Epoche wurde.
Die Regionen dürfen nicht
gegeneinander arbeiten
Zur Metropolregion Frankfurt Rhein-Main zählt der Stadtplaner
Jourdan das Gebiet zwischen Mainz, Aschaffenburg und Darmstadt.
Diese polyzentrische Region ergebe - anders als beispielsweise
die Metropolen Paris und London - das völlig neue Modell der "Landschaftsstadt".
Jochem Jourdan: "Aber die muss gestaltet werden, damit die
Region nicht gegeneinander arbeitet."
Seit der Zeit der Aufklärung gebe es einen ständigen "Entgrenzungsprozess".
Eine Bauausstellung könne dazu beitragen, einerseits historische
und regionale Identitäten zu stärken, aber auch das Bewusstsein
der unmittelbaren Nähe zueinander in einer Region zu fördern.
Dabei könne sich das Rhein-Main-Gebiet durchaus mit Weltstädten
messen, denn die Entfernungen beispielsweise zwischen den Städten
des Rhein-Main-Gebietes seien vergleichbar mit den Ausdehnungen
von London oder Paris.
Michael Kolmer, Leiter des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung,
ging in dem von ihm überbrachten Grußwort der Stadt
ebenfalls auf Enfernungen im Rhein-Main-Gebiet ein. Die Städte
der Region lägen international betrachtet so nahe zusammen
wie der Großraum Los Angeles. Der Oberbürgermeister
weise darauf hin, dass der Lange Ludwig 36 Kilometer vom Frankfurter
Römer entfernt sei. Darmstadt als "das Gehirn der Region" könne
sich durchaus bei der Bauausstellung mit einbringen.
Die zum Jahresempfang eingeladenen Architekten und Vertreter aus
Politik, Hochschule und Wirtschaft sehen in einer internationale
Bauausstellung Chancen für Darmstadt: Für die SPD-Fraktionsvorsitzende
in Stadtparlament Sabine Seidler hat Darmstadt "ein ganz dickes
Pfund einzubringen" und könne sich als Wissenschaftsstadt
vermarkten. Julius Niederwöhrmeier, Vorsitzender der BDA-Gruppe
Darmstadt-Starkenburg, glaubt, dass eine IBA einen Impuls für
stadtplanerische Maßnahmen ausstrahlt. Zudem gewinne die
Region an Potenzial, "wenn man sich von Länder- und Kreisgrenzen
frei macht."
Der Architekt Jörg Blume sieht neben seinen beruflichen Interessen
die Chance, dass die Bauausstellung "die Nähe in der
Region" verdeutlicht. Die CDU-Stadtverordnete Sissy Geiger
hofft, dass ein Projekt wie eine Bauausstellung gute Architektur
von guten Architekten befördert und die Menschen ohne politische
Vorbehalte zusammenbringt.
Quelle: 13.02.2006 Darmstädter
Echo
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